Frischer Wind für die Jugendfeuerwehr

Text und Bilder von Helene Wentker (Gescherer Zeitung)

Gescher. Junge Menschen fit machen für den Feuerwehrdienst, für Einsätze zu jeder Tages- und Nachtzeit: Für Ralf Beuker, der bei Gründung der Jugendfeuerwehr 1991 dort eintrat und sie später leitete, bis er jetzt zum stellvertretenden Löschzugführer aufgestiegen ist, bedeutet das „Rohdiamanten zu schleifen.“ Er lacht, während Björn Kloster ergänzt: „Bei einigen kann das lange dauern. Aber wir haben sie bisher alle geschliffen.“

Wir, das sind Bernd Kloster, der das Amt des Stadtjugendfeuerwehrwartes soeben von Ralf Beuker übernommen hat, sowie seine Stellvertreter Heiko Lölfing und Björn Kloster. Gestandene Männer im Alter zwischen 26 und 40 Jahren, die selbst aus der Jugend der Wehr kommen. Und die wissen, worauf es im Ernstfall und überhaupt ankommt: „Dass wir uns bedingungslos aufeinander verlassen können. Denn das ist die Lebensversicherung bei späteren Einsätzen.“

Genau das lernen Jugendliche, wenn sie ab ihrem 12. Lebensjahr zur Jugendfeuerwehr kommen. Vom ersten Tag an wird den Jugendlichen klar vermittelt: „Bestimmte Ziele und Erfolge kann man nur im Team erreichen, und die kleinste Einheit umfasst zwei Personen.“

22 Jugendliche gehören derzeit zur Jugendfeuerwehr Gescher. Es könnten noch mehr sein. Aber die Jugendwarte wissen auch, „dass wir auf hohem Niveau klagen.“ Und dass sie ihre Sache gegen machtvolle Freizeitkonkurrenten behaupten müssen; der machtvollste heißt König Fußball. „Junge Leute werden sich da entscheiden müssen. Beides schaffen sie nicht“, wissen die Jugendwarte.

Ebenso wie sie aus eigener Erfahrung gelernt haben, dass die Feuerwehr umgekehrt viel zu geben hat. Spaß an Technik beispielsweise, „Actioncharakter“, die Möglichkeit, dass jeder sein spezielles Know how und seine Talente einbringen kann, denn: „Das macht die Wehr aus; davon lebt sie.“ Und am Ende stehe das stolze Gefühl, gemeinsam mit den anderen einen guten Einsatz „abgeliefert“ zu haben. Auch Einblicke, „die nicht jeder Bürger bekommt“, nennen die vier als Anreiz: Einblicke beispielsweise in Betriebe, back stage sozusagen.

Und was muss ein junger Mensch mitbringen, um bei der Feuerwehr Fuß zu fassen? Technische Begabung in jedem Fall? Kopfschütteln in der Runde. Die neue Gesetzeslage erlaube seit 2016 viele Einsatzmöglichkeiten, sagen die Jugendwarte. Natürlich müsse man bei späteren Lehrgängen zum Feuerwehrdienst eine bestimmte Fitness mitbringen.

Aber es böten sich auch viele, davon unabhängige Aufgaben an. So gehöre ein Kamerad im Rollstuhl zur Wehr, der in der Unterstützungseinheit und am PC aktiv sei. Auch die Fähigkeiten etwa von Erziehern, Rettungsassistenten oder Kochfrauen seien sehr gefragt, sagt Lölfing.

Was sie selbst einst zur Jugendfeuerwehr gebracht hat, das vermitteln die Jugendwarte heute den Jugendlichen als den Wehrleuten von morgen und übermorgen: „Es ist der Wunsch, der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Es ist Freude an der Kameradschaft“, sagen die Männer, die wöchentlich etwa fünf Stunden Freizeit und im Katastrophenfall ein Vielfaches an Zeit einsetzen, und die trotzdem beteuern: „Es macht Spaß. Man muss aber dafür gemacht sein.“

| Jungen und Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die Interesse an der Wehr haben, können sich melden bei Bernd Kloster, Tel. 0151-25395535.

 

 

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